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Welttag der Wissenschaft

Was bedeutet Wissenschaft für unsere Gesellschaft und welche Rolle spielt Wissenstransfer dabei?

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Unsere heutigen, meist nicht nachhaltigen Lebensstile und Konsummuster sowie die damit einhergehenden Produktionsverfahren sind Ressourcen intensiv und die Umwelt belastend. Sie führen zu globalen Herausforderungen, manifestieren sich beim Klimawandel und einer Ressourcenknappheit. Krisenszenarien, die sich nur über ein konsequentes Umdenken im Konsumverhalten abmildern und mithilfe der Fortentwicklungen aus Wissenschaft, Technik und Innovation bewältigen lassen. An diesen hohen Stellenwert, den die Wissenschaft innerhalb unserer Gesellschaft einnimmt, erinnert die UNESCO anlässlich des „Welttags der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung“ jedes Jahr am 10. November.

 



Dieser weltweite Gedenk- und Aktionstag soll Aufmerksamkeit schaffen und den bedeutenden Beitrag der Forschung für eine nachhaltige Entwicklung würdigen, gleichbedeutend mit der Rolle der Wissenschaft für die Friedensförderung. Der Tag wurde im Jahr 2001 von der UNESCO ausgerufen und ist mit der Verleihung der UNESCO-Wissenschaftspreise verbunden. Darüber hinaus soll er die Anstrengungen der UNESCO für die Wissenschaft würdigen. Wie zum Beispiel die 1999 auf der World Conference on Science in der ungarischen Hauptstadt Budapest beschlossene Erklärung über die  Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie den Aktionsplan „Agenda für die Wissenschaft“.

 

 







Was bedeutet eigentlich Wissenschaft?

Eine allgemeingültige Definition findet sich in der Literatur nicht. Das Wirtschaftslexikon erklärt die Wissenschaft wie folgt: „Die Wissenschaft strebt Erkenntnisgewinn (Forschung) und –vermittlung (Lehre) an, wobei sie anerkannte und gültige Methoden benutzt und Resultate veröffentlicht bzw. einbezieht. Sie ist im gewissen Sinne voraussetzungslos und ergebnisoffen,…“(1) Die beiden Herausgeber Georg Klaus und Manfred Buhr beschreiben in ihrem Philosophischen Wörterbuch „Die Wissenschaft ist ein System der Erkenntnisse über wesentliche Eigenschaften, kausale Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens, das in Form von Begriffen, Kategorien, Maßbestimmungen, Gesetzen, Theorien und Hypothesen fixiert wird“.(1)

 











Warum ist Wissenschaft für unsere Gesellschaft so wichtig?

Durch die Wissenschaft erhalten wir Informationen, um beispielsweise persönliche Entscheidungen besser treffen zu können. In jüngster Vergangenheit ist das sichtbar geworden in der Impfdebatte während der Coronavirus-Pandemie oder aktuell geführt bei der Konsumdiskussion im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Wissenschaft ermöglicht uns bei zahlreichen Themen mit ihren Modellierungen und ihrem Forschungsstand eine bessere Einschätzung des Sachverhalts. Auch die Politik benötigt die Wissenschaft für ihre Arbeit. Nur mit den Expertisen der Wissenschaft lassen sich langfristige Strategien für unser Land entwickeln und umsetzen. In vielen Expertengremien sitzen Wissenschaftler:innen  um Politiker:innen bei ihrer Arbeit zu beraten.

 „In einer deliberativen Demokratie ist es wichtig, dass Diskurse informiert und Entscheidungen auf der bestmöglichen Wissensbasis getroffen werden. Die Wissenschaft leistet so einen unleugbaren Beitrag, Demokratien funktionsfähig zu halten, treibt Innovationen voran und hilft Ländern in der globalen Weltwirtschaft wettbewerbsfähig zu werden.“ (1)

Die Wissenschaft hilft uns als Gesellschaft dabei, den Herausforderungen des Klimawandels die Stirn zu bieten, insbesondere an den Stellen, wo der globale Wandel uns nur noch wenig Zeit lässt, unsere heutigen Lebens- und Wirtschaftsstandards in ein langfristig tragfähiges Modell zu überführen. Ein 

schnelles und wirksames Umsteuern gelingt nur durch die Anwendung allumfassender Expertise und Wissensvermittlung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wichtig ist der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft?

Im Idealfall stellt das Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sicher, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft zwischen den verschiedenen Interessensgruppen ausgetauscht, geprüft und reflektiert werden. Aber diese Vorgehensweise gerät immer öfter ins Stocken. Die vielfältigsten Erkenntnisse der Wissenschaft bringen für die Gesellschaft keinen Nutzen, wenn die Informationen nicht bei den Menschen ankommen. Gerade die Coronavirus-Pandemie hat gezeigt, zu welchen gesellschaftlichen Verwerfungen es kommen kann. Zum einen hat in Teilen der Gesellschaft die Bereitschaft abgenommen, sich mit komplexen Inhalten differenziert auseinanderzusetzen, zum anderen wird es durch die Vielfalt an neuen Medien immer schwieriger, Informationen einzuordnen und zu bewerten. „Die Wissenschaft, die maßgeblich zur Wissensproduktion beiträgt, ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert, schließlich ändert sich mit der Digitalisierung die Art und Weise, wie Wissen hergestellt, organisiert und vor allem rezipiert wird.“ (1) Darüber hinaus schreibt das Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in einem Beitrag: „Die Frage nach der Rolle der Wissenschaft in einer zunehmend fragmentierten und digitalen Gesellschaft, sowie die Bedeutung für Politik und Zivilgesellschaft wird neu definiert. Die Wissenschaft kann niemals eine universelle Wahrheit oder eine objektive Darstellung der Welt anbieten. Sie kann jedoch methodisch prüfbare Deutungsangebote machen, Gewissheiten in Frage stellen und Reflexionen anstoßen. Damit hat die Wissenschaft eine wichtige gesellschaftliche Rolle und trägt gleichzeitig große Verantwortung gerade dort, wo die Lage nicht eindeutig ist: Wie kann Wissenschaft bestehende Unsicherheiten und Streitigkeiten klar kommunizieren und trotzdem den Eindruck von Beliebigkeit vermeiden? (1)

Es wird also auch in Zukunft darauf ankommen, wie der Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft geführt wird. Gelingt es der Wissenschaft weiterhin mit ihren Erkenntnissen eine breite Öffentlichkeit zu erreichen? Oder entfremden sich immer mehr Menschen von der Institution Wissenschaft.

In der Forschung wird im Zusammenhang mit Wissenstransfer der Begriff Wissenschaftskommunikation favorisiert. Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung, dass es einen in eine Richtung laufenden Transfer von Informationen von der Wissenschaft zur Gesellschaft gibt, geht das Institut für Internet und Gesellschaft der Humboldt Universität davon aus, das Wissen veränderlich ist und im Dialog entsteht, sobald es geteilt wird. Dabei ist ein wichtiger Aspekt der Wissensproduktion der ständige Austausch zwischen den Akteuren und den Institutionen, also ein produktiver Dialog zwischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Playern, wobei die Wissenschaft dabei in der Verantwortung steht, sich dem kommunikativen Anspruch zu stellen, gewonnenes Wissen fortlaufend zu prüfen und zu reflektieren.

Vielleicht macht es ja auch abschließend einmal Sinn für einen kurzen Moment zurückzublicken um zu überlegen, mit welchen Erkenntnissen uns die Wissenschaft bei der Entscheidungsfindung wichtiger Fragen in unserem eigenen Leben geholfen hat.

 



Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft erörtert in ihrem Talkformat „Digitaler Salon“ die Problematik von Wissenschaftskommunikation anhand der Klimakatastrophe.
 

Digitaler Salon: Wissen MACHT Klima

 

Im Fall der Klimakatastrophe zeigt sich deutlich: Wissen ist Macht! Denn nur wer Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, Informationen und Daten hat, kann sich vor der Erderwärmung schützen. Doch obwohl die Existenzen von Millionen von Menschen bedroht sind, ist der Zugang zu diesen wertvollen Ressourcen ungerecht verteilt. Das globale Gefälle zwischen arm & reich, Nord & Süd, schuldig & unschuldig verstärkt sich im Kampf gegen den Klimawandel sogar: Staaten, die am stärksten von der globalen Co2-Belastung betroffen sind, bleibt gleichzeitig der Zugang zu essentiellem Wissen und Daten für neue Lösungen im Kampf gegen ihre Auswirkungen verwehrt.

Im Rahmen der Open Access Week 2022 erörtert das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, wie gerecht der weltweite Zugang zu Wissen gerade im Fall von Klimagerechtigkeit wirklich ist. Wo stoßen wir im Austausch auf geopolitische, wirtschaftliche oder disziplinäre Grenzen? Wie können Forschungseinrichtungen zu einer Open Science Community beitragen, die Zugang zu Wissen ermöglicht und relevante Daten allen, insbesondere den vom Klimawandel Betroffenen, zur Verfügung stellt? Quelle: www.hiig.de

 


Quellen:

Deutsche UNESCO-Kommission
www.unesco.de

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
www.hiig.de

Bundeszentrale für politische Bildung

www.bpb.de

Bayerischer Rundfunk
www.br.de

Wirtschaftslexikon Gabler
www.wirtschaftslexikon.gabler.de

Einzelnachweise:

(1) Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
(2) „Wissenschaftstheorie zur Einführung“, Martin Carrier
(3) Artikel „Wissenschaft“. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 11. Auflage, Leipzig 1975

Bildnachweise:

Bild 1 Wissenschaftsbanner: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Bild 2 Frau mit Mikroskop: Bild von fernando zhiminaicela auf Pixabay
Bild 3 Gesellschaft: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Bild 4 Wissenstransfer/ Feedback: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

 

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